Seit 2011 ermöglicht der Verein Wohnen in St. Pölten Teilbetreutes Wohnen für Menschen mit intellektueller Behinderung. Im Mittelpunkt stehen Selbstbestimmung, Teilhabe und individuelle Unterstützung.
Seit 15 Jahren gibt es in der Goldegger-Straße in St. Pölten ein besonderes Wohnangebot: Das Teilbetreute Wohnen des Vereins Wohnen ermöglicht Menschen mit intellektueller Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause – mit genau jener Unterstützung, die im jeweiligen Alltag benötigt wird.
Am 16. September 2026 wurde das 15-jährige Bestehen direkt im Wohnhaus gefeiert. Gemeinsam mit Bewohner*innen, Begleiter*innen und Gästen wurde dabei nicht nur auf die vergangenen Jahre zurückgeblickt, sondern auch auf die Weiterentwicklung des Wohnkonzepts.
Selbstbestimmt wohnen mit individueller Unterstützung
Der Grundgedanke des Teilbetreuten Wohnens lautet: „So viel Begleitung wie nötig, so viel Eigenständigkeit wie möglich.“
Unterstützung bedeutet dabei nicht, den Bewohner*innen möglichst viele Aufgaben abzunehmen. Vielmehr geht es darum, sie dabei zu begleiten, ihren Alltag entsprechend ihren eigenen Möglichkeiten selbst zu gestalten und eigene Entscheidungen zu treffen.
„Selbstbestimmtes Wohnen ist ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe. Menschen mit Behinderung sollen die Möglichkeit haben, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und jene Unterstützung zu erhalten, die sie dafür benötigen“, erklärt Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.
Auch für den Verein Wohnen steht die individuelle Lebensgestaltung im Mittelpunkt. „15 Jahre Teilbetreutes Wohnen zeigen uns, wie wichtig es ist, Menschen nicht auf ihren Unterstützungsbedarf zu reduzieren. Ein selbstbestimmtes Zuhause bedeutet, eigene Entscheidungen treffen zu können und Unterstützung genau dort zu bekommen, wo sie gebraucht wird“, betont Geschäftsführerin Patricia Grünauer.
Ein Wohnangebot für unterschiedliche Lebenswege
Heute ist das Wohnhaus in der Goldegger-Straße durchgehend voll belegt. Aktuell leben dort eine Mutter mit ihrem 16-jährigen Kind sowie zehn weitere Bewohner*innen – insgesamt elf Erwachsene und ein Kind.
Die Lebenswege der Bewohner*innen sind unterschiedlich. Für manche ist das Wohnhaus ein langfristiges Zuhause. Andere haben im Laufe der Jahre den Schritt in eine eigene Wohnung gemacht und dort zunehmend selbstständig gelebt.
Ein Auszug ist dabei weder verpflichtendes Ziel noch Maßstab für persönliche Entwicklung. Entscheidend sind die individuellen Wünsche, Fähigkeiten, die jeweilige Lebenssituation und der persönliche Unterstützungsbedarf.
Damit zeigt sich ein wesentlicher Grundgedanke des Teilbetreuten Wohnens: Selbstbestimmung bedeutet auch, unterschiedliche Lebensentscheidungen zu ermöglichen.
Unterstützung dort, wo sie gebraucht wird
Das Teilbetreute Wohnen ist keine klassische Betreuungseinrichtung. Die Bewohner*innen leben in ihrem Zuhause und erhalten jene Unterstützung, die sie für ihren Alltag benötigen.
Je nach individuellem Bedarf kann diese beispielsweise die Organisation des Alltags, Haushaltsführung, finanzielle Angelegenheiten, Konfliktbegleitung, Freizeitaktivitäten oder Unterstützung bei Behördenwegen umfassen.
Dabei steht nicht die Frage im Mittelpunkt, was jemand nicht alleine bewältigen kann. Entscheidend ist vielmehr, welche Unterstützung notwendig ist, damit möglichst viel Eigenständigkeit erhalten und weiterentwickelt werden kann.
„In der täglichen Arbeit geht es immer wieder darum, die richtige Balance zu finden: Wann braucht jemand Unterstützung und wann ist es besser, Raum für Eigenständigkeit zu lassen? Nach 15 Jahren wissen wir, dass diese Antwort nicht für alle Menschen gleich ist“, sagt Eva Baier, Wohnhausleitung.
15 Jahre Teilbetreutes Wohnen bedeuten auch Veränderung
Seit der Eröffnung im Jahr 2011 hat sich nicht nur das Leben der Bewohner*innen verändert. Auch das Konzept des Teilbetreuten Wohnens wurde regelmäßig gemeinsam mit den Bewohner*innen überprüft und weiterentwickelt.
Erfahrungen aus dem Alltag, persönliche Bedürfnisse und Rückmeldungen fließen in die Gestaltung des Zusammenlebens und der Unterstützung ein. Das Konzept ist daher kein unveränderliches System, in das sich Menschen einfügen müssen. Vielmehr entwickelt es sich gemeinsam mit den Menschen, die darin leben.
Auch Möglichkeiten für ein selbstständigeres Leben außerhalb des Wohnhauses wurden in den vergangenen 15 Jahren weiterentwickelt. Partizipative Prozesse, Konzept und Hausordnung wurden überarbeitet. Ein besonderer Bestandteil der Geschichte des Wohnangebots ist zudem die begleitete Elternschaft.
Ein Wohnkonzept mit Geschichte
Das Wohnhaus wurde vom Verein Wohnen im Jahr 2011 eröffnet. Damals zogen 11 erwachsene Menschen mit Lernbehinderung und ein Kind ein. Das Teilbetreute Wohnen wurde bewusst ohne Anbindung an eine vollbetreute Einrichtung umgesetzt und stellte damit einen besonderen Ansatz in Niederösterreich dar.
Ermöglicht wurde das Wohnhaus im Rahmen der Hilfe für Menschen mit besonderen Bedürfnissen des Landes Niederösterreich.
Bereits bei der Sanierung des Hauses wurde außerdem ein arbeitsmarktpolitischer Aspekt integriert: Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen waren, waren im Rahmen der GESA – Gemeinnützige Sanierungs- und Beschäftigungs-GmbH federführend an der Sanierung beteiligt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt
Das Teilbetreute Wohnen ist keine klassische Betreuungseinrichtung. Die Bewohner*innen leben in ihrem Zuhause und erhalten jene Unterstützung, die sie für ihren Alltag benötigen.
Je nach individuellem Bedarf kann diese beispielsweise die Organisation des Alltags, Haushaltsführung, finanzielle Angelegenheiten, Konfliktbegleitung, Freizeitaktivitäten oder Unterstützung bei Behördenwegen umfassen.
Dabei steht nicht die Frage im Mittelpunkt, was jemand nicht alleine bewältigen kann. Entscheidend ist vielmehr, welche Unterstützung notwendig ist, damit möglichst viel Eigenständigkeit erhalten und weiterentwickelt werden kann.
„In der täglichen Arbeit geht es immer wieder darum, die richtige Balance zu finden: Wann braucht jemand Unterstützung und wann ist es besser, Raum für Eigenständigkeit zu lassen? Nach 15 Jahren wissen wir, dass diese Antwort nicht für alle Menschen gleich ist“, sagt Eva Baier, Wohnhausleitung.
Im Zentrum des Teilbetreuten Wohnens stehen nicht allein Unterstützungsleistungen, sondern vor allem die Menschen selbst: ihre Wünsche, Entscheidungen, Fähigkeiten und persönlichen Lebenswege.
Die Bewohner*innen werden deshalb auch in die Weiterentwicklung des Konzepts einbezogen. Ihre Erfahrungen und Rückmeldungen sind ein wichtiger Bestandteil dafür, wie Zusammenleben und Unterstützung gestaltet werden.
Wie sich die Unterstützung im Alltag auswirken kann, erzählt Sophie, eine Bewohnerin des Wohnhauses, im neuen Imagefilm des Vereins Wohnen:
„Seit ich hier wohne, bin ich selbstständiger geworden. Ich stehe jeden Tag um 5:45 Uhr auf und gehe in die Arbeit. Ich kümmere mich selbst um meinen Einkauf und auch die Putzdienste im Wohnhaus mache ich. Das sind Dinge, die ich heute selbstständig erledige.“
Jubiläumsfeier: 15 Jahre Teilbetreutes Wohnen
Bei der Jubiläumsfeier am 16. September 2026 stand neben den Festreden vor allem das Wohnhaus selbst im Mittelpunkt.
Nach den Ansprachen von Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Geschäftsführerin Patricia Grünauer und Eva Baier wurde der neue Imagefilm des Vereins Wohnen präsentiert. Anschließend konnten die Gäste bei Führungen durch das Wohnhaus Einblicke gewinnen und sich mit Bewohner*innen, Begleiter*innen und weiteren Gästen austauschen.
Dass die Feier direkt im Wohnhaus stattfand, machte den Ort selbst zum Ausgangspunkt des Jubiläums: Hier wird das Konzept des Teilbetreuten Wohnens seit 15 Jahren im Alltag gelebt.
Blick nach vorne: Selbstbestimmtes Wohnen weiterentwickeln
15 Jahre Teilbetreutes Wohnen sind kein Endpunkt, sondern eine Zwischenbilanz. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass selbstbestimmtes Wohnen unterschiedliche Formen annehmen kann und individuelle Unterstützung immer wieder neu gedacht werden muss.
Auch in Zukunft soll das Wohnkonzept gemeinsam mit den Bewohner*innen weiterentwickelt werden. Denn persönliche Lebenssituationen verändern sich ebenso wie Bedürfnisse und Wünsche.
Das Ziel bleibt dabei unverändert: Menschen mit intellektueller Behinderung sollen ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten können – mit einem Zuhause, das Sicherheit gibt, und mit genau jener Begleitung, die sie dafür benötigen.
So viel Begleitung wie nötig, so viel Eigenständigkeit wie möglich.






